Freude an Kunst und Kunstvermittlung

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Kunstvermittlung wird in der Gegenwart gross geschrieben. Die Diskussion ist in regem Gange, was das sein soll, was es nützt, wer es tun soll und für wen. Der Kunstvermittlungs­markt boomt. Es gibt ein schon fast inflationäres Angebot. Websites wurden eingerichtet, auf denen Künstler­Innen aller Gattung Kultur­angebote posten können.

Solche Websites sind etwa die gemein­same Website von Pro Helvetia und der Pädagogische Hochschule Bern. Und die Website der Erziehungsdirektion Bern. Auf ersterer Website darf jede und jeder sich als Künstler und Künstlerin anmelden. Die Website der Erziehungs­direktion Bern wird qualitativ überwacht. Wer über diese Website Künstler und Künstlerinnen bucht, kann für die Durchführung der Veran­staltung Kultur­gutscheine einlösen und auch andere finanzielle Unterstützung beantragen.

Das Kunstvermittlungsangebot boomt also hüben wir drüben. Und das ist besser, als wenn es nicht boomen würde. Denn boomen heisst, es lebt in vollen Zügen!

Kunst gehört unbedingt in ein Menschenleben. Sie gehört in die Grunderziehung. Denn was Fritzchen nicht lernt, lernt Fritz nimmer mehr.

Ich bin oft in Schulen. Wer (auch) Kinderbücher schreibt, kennt das. Leseorganisationen laden AutorInnen ein, die dann, wenn Nachfrage seitens der Lehrerschaft besteht, wochenlang durch die Lande reisen, von Gemeinde zu Gemeinde, von Schulhaus zu Schulhaus. Ich selber habe so in den letzten Jahren annähernd 3000 (!) sogenannte Schulhauslesungen gemacht. Und ich werde es weiter tun.

Ich habe auf all diesen Reisen im In- und Aus­land ganz tolle und weniger tolle Lehr­perso­nen ge­troffen. Tolle Lehrpersonen sind für mich die, die von sich aus kunstsinnig sind und die die Kultur­vermittlung wichtig finden. Wenn ich komme, lebe ich den Kindern meine Bücher und CDs vor. Ich lasse mir was ein­fallen. Dabei habe ich maximal 90 Minuten Zeit, den Funken auf die Kindern über­springen zu lassen. Das ist nicht viel, aber immerhin etwas. Bei manchen Kindern bleibe ich un­ver­gessen. Im besten Fall habe ich in einem Kind etwas geweckt und ihm eine Ahnung gegeben, was möglich wäre.

Kann man Kunst lernen? Mindestens kann man lernen, Kunst zu betrachten. Kunst anders zu sehen. Und damit das eigene Leben. Kunst schafft eine Erweiterung des eigenen Horizonts. Sie fördert Verwegenheit und den Sinn für das, was über das rein Nützliche und Lebensnotwendige im Leben hinausgeht. Und sie fördert Menschlichkeit, Sinn für Ästhetik und Selbstausdruck. Ich liebe Menschen, die sich selbst ausdrücken wollen, die ihren eigenen Kopf gebrauchen können, ihre eigene Fantasie und auch ihre eigenen Träume mit einbeziehen. Ich bin ständig auf der Suche nach ihnen. Und ich möchte fördern helfen, was noch schlummert und geweckt werden will.

Ich arbeite gern mit Kindern. In kürzeren und längeren Workshops, besonders gern  in intensiven Projekt­wochen. Darum habe ich kürzlich das neugeschaffene CAS-Weiterbildungstudium Teaching Artist an der Hochschule der Künste Bern absolviert.

In meinen Performance-Lesungen turne ich den Kindern eher vor und hoffe sie auf diese Weise zu inspi­rieren. In Workshops und Projektwochen in Schulen geht es noch tiefer rein in die Materie und näher ran an das, was von den Kindern selber kommt. Ich leite sie an und verführe sie zu eigenen Erfahrungen in und mit der Kunst. Es ist ein wunderbare Arbeit, in der ich den Kindern nahe komme und die mich selber nährt.

Einblicke in das Abschlussprojekt des CAS Teaching Artist 2011/2012

Brigitte Schär ist Schriftstellerin, Sängerin und Performerin, mit Hang zu Tiefsinn und Theater und lebt in Zürich. Sie veröffentlicht Bücher und CDs für Kinder und Erwachsene und tritt mit multimedialen Lese-Performances und Konzert-Lesungen in der ganzen Welt auf. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt. Vieles mehr verrät ihre Website www.brigitte-schaer.ch

 

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Donnerstag, 17. Oktober 2019

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