Die EXTRABOX am Puls der Erde

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Unser Ziel war ein Buch: «Am Puls der Erde. Natur­katastrophen verstehen» sollte es heißen; wir woll­ten mit groß­formatigen Fotografien, spannen­den Texten und Interviews sowie erklärenden Illustra­tionen den Abschluss eines Forschungsprojektes darin aufbereiten. Die EXTRABOX wurde uns als Tool zur Verfügung gestellt, um sämtliche redaktionellen Arbeiten zu bündeln und den Austausch mit den porträtierten Forschern zu gewähr­leisten. Das Buch ist im Oktober 2012 im Wachholtz-Verlag erschienen und wir sind alle sehr stolz darauf – doch der Weg dahin war nicht immer leicht.

Schon zu Beginn erschien uns die logistische und inhaltliche Aufgabe, die Ergebnisse des For­schungs­pro­jektes in einem populärwissenschaftlichen Buch darzustellen, gewaltig. Schließlich hatten über 100 Wissen­schaftler des GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mehr als 11 Jahre lang Vulkane, Erdbeben, Hang­rutschungen und andere Phänomene untersucht, um Auslöser und Auswirkungen von Natur­katastrophen besser zu verstehen. Unter dem Titel «Sonder­for­schungs­bereich 574/Volatile und Fluide in Subduktionszonen» war das Projekt mit 20,4 Millionen Euro von der Deutschen For­schungs­gemeinschaft gefördert worden. Es hatten neun große Schiffs­expeditionen zum Boden der Tiefsee stattgefunden und mehr als 50 Landexkursionen per Jeep, Pferd oder zu Fuß – bis auf die 6000 Meter hohen Gipfel der Anden­vulkane. Die dabei entstandenen Fotos und Erkenntnisse mussten gesichtet, sortiert und ausgewählt werden, es mussten Interviews mit neun ausgewählten Forschen geführt und alles im Rahmen eines erarbeiteten Layout-Konzeptes umgesetzt werden.

Die Frage war also, wie ein Team von vier Heraus­gebern es schaffen würde, die Essenz des Groß­projekts auf 200 Buchseiten auf­zu­bereiten, die vielen Facetten der Forschungs­arbeit wieder­zu­geben und sie gleichzeitig für den interessierten Laien interessant zu ge­stalten. Außer mir waren die Heraus­geber: Sarah Zierul, Journalistin und Dokumentar­filmerin aus Berlin, Bernd Grundmann, Foto­graf aus Hamburg und Birte Friedländer, Layouterin aus Schar­beutz. Eine zusätzliche Herausforderung war, dass das Buchprojekt parallel zu den laufenden Arbeiten der Wissen­schaftler stattfinden musste. In dieser Situation entstand der Gedanke, einen neuen Weg zu beschreiten und ein virtuelles Re­dak­tionsbüro einzurichten. Bernd Grundmann brachte uns mit der Firma schwarzaufweiss ag zu­sammen. Mit dem IT-Fachmann HansRuedi Keller machten wir den Versuch, das gerade ent­stehende modulare Kommunikationstool EXTRABOX in der Pilotphase einzusetzen und auf unsere Bedürf­nisse anzupassen. Wir nutzten die EXTRABOX als sicheren Ort, um uns virtuell zu treffen, Inhalte zusammen­zutragen, Informationen auszutauschen und Termine zu koordinieren.

Die EXTRABOX sollte den Forschergruppen und den Redakteuren die Möglichkeit geben, alle Inhalte an einem sicheren und für alle Berechtigten zugänglichen Ort zu sammeln, asynchron an Texten zu arbeiten, Bilder und Grafiken hoch- und runterzuladen und zu kommentieren, ohne dabei den Überblick über den neuesten Stand und den Weg dahin zu verlieren. Die ersten Arbeits­wochen waren denn auch gekennzeichnet durch ein vor­sichtiges und neugieriges Heran­tasten an dieses neue Tool; einige Dinge mussten verbessert werden, was durch den modularen Aufbau aber schnell umgesetzt und an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden konnte. Anders als bei den konventionellen Methoden wie E-Mail und Dropbox konnten eingestellte Inhalte qualifiziert be­urteilt und für Layout-Zwecke eingesetzt werden. Somit wurde das Potential dieses neuen Tools schnell sichtbar und konnte im Kreis der vier Herausgeber weitgehend umgesetzt werden.

Um dieses Potential auszuschöpfen, müssen jedoch alle Beteiligten gewillt und in der Lage sein, sich auf diese neue Art zu arbeiten einzulassen. Leider schieden sich hier ein wenig die Geister. Unser Projekt stand vor einem enormen Zeitdruck und der Schwierigkeit, dass die einzelnen Forscher nicht die Zeit hatten, sich auf diese neue Art der Kommunikation einzulassen. In der Konsequenz wurden Inhalte und Layout-Fragen in langen Skype-Konferenzen konventionell diskutiert und Inhalte auch per E-Mail ausgetauscht. Grundsätzlich hängt die Akzep­tanz zur Nutzung dieses neuen Kommunikationstools wohl davon ab, ob die Bedürfnisse der einzelnen Arbeits­richtungen (Textverarbeitung, Bilderauswahl, Design usw.) ausreichend bedient werden und eine möglichst zielgerichtete Einführung den Einstieg begleitet. Bei der Textverarbeitung wurde zum Beispiel das Werkzeug «Änderungen verfolgen» vermisst; die Bildauswahl wurde durch die fehlende Möglich­keit, Bilder in der Größe zu skalieren, erschwert. Auch die Integration der gewohnten Qualitäten von Diensten wie Dropbox, Doodle oder Skype wurde vermisst. Letzt­lich lassen sich diese Dinge aber gut an den jeweiligen Bedarf anpassen und für jedes Projekt optimieren, wenn eine entsprechende Rückmeldung erfolgt. Wir sind daher gespannt, wie sich unsere Erfahrungen in der Weiterentwicklung des virtuellen Arbeitsraumes niederschlagen. Wir danken für die Zusammenarbeit und die inspirierende Pilotphase mit der EXTRABOX.

Dr. Peter Linke ist Meeresbiologe am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Mitautor des Buches «Am Puls der Erde» (ISBN 3-529-05437-2)

Bilder: Bernd Grundmann

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Mittwoch, 20. September 2017

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