Was ist BuddyPress?

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BuddyPress ist ein digitales Werkzeug – im Unterschied zum Beispiel zu Facebook, das in meinen Augen kein digitales Werkzeug ist, obwohl dies Hartmann und Hundertpfund in ihrem neu erschienenen Buch «Digitale Kompetenz» so darstellen. Dazu später mehr. BuddyPress ist der Name eines Open Source Softwareprojektes, welches 2007 auf Basis von WordPress von Andy Peatling gestartet wurde und seit 2009 zur Verfügung steht. Im Kernteam arbeiten Leute aus den USA, Kanada, England und Frankreich.

Ich versuche in diesem Beitrag, verschiedene Aspekte von BuddyPress zu beleuchten, nicht nur technische, sondern auch jene, die bedeutsam sind für Schule und Bildung und den sozio­kulturellen Wert dieser Software betonen. BuddyPress macht dieses soziale Netzwerk mög­lich und zeigt hier in der konkreten Anwendung, dass es möglich ist, dem Bedürfnis nach Nach­haltig­keit von Unterricht und Weiterbildung auf kreative Art und Weise nachzukommen.

Technisch betrachtet ist BuddyPress ein sogenanntes Plugin für WordPress, eine Sammlung von PHP-Skripts, die das Content Management System (CMS) WordPress derart erweitern, dass Dialog, Austausch und Interaktion zwischen Benutzern einer Website und hauptsächlich inner­halb von Gruppen über das Internet stattfinden kann. BuddyPress ist zur Zeit erste Wahl, wenn die Aufgabe darin besteht, unabhängig von global tätigen Firmen wie Facebook, Google oder Microsoft in Eigenverantwortung eine Plattform aufzubauen, die virtuelle Zusammen­arbeit ermöglicht. BuddyPress steht als kostenloser Download auf wordpress.org zur Verfügung. Die Installation und Konfiguration bei einem Hosting-Provider ist innerhalb weniger Stunden erledigt und kann auch zum Gegenstand einer Projektarbeit im Schulbetrieb gemacht werden.

Wichtig scheint mir dabei weniger die Erarbeitung von «Software-Kompetenz», als vielmehr die schrittweise praktische Annäherung an Begriffe wie Datenhaltung und Datenschutz, Profil­daten und Privatsphäre, Kooperation und Kollaboration mit unterschiedlichen Rollen im Rahmen unterschiedlicher Modelle. Darum ist BuddyPress ein «Werkzeug»; Facebook im päda­gogischen Kontext so zu bezeichnen, bedeutete für mich, im Rahmen der Ernährungs­lehre oder des Koch­unterrichtes regelmässig McDonald’s zu besuchen.

Rund um BuddyPress hat sich seit 2009 ein eigentliches «Social-Media-Ökosystem» gebildet, ein dynamisches Beziehungsgefüge zwischen Produzenten (z.B. Programmierer und Webdesigner) und Konsumenten (z.B. Menschen, die sich zu gemeinsamen Interessen austauschen) innerhalb einem Lebensraum, der durch den rasanten Wandel der Digitalisierung geprägt wird. BuddyPress ist natürlich nicht das einzige Werkzeug im «Sortiment». Es gibt auf Basis anderer CMS eben­so den Pfad zum sozialen Netz. Es gibt Tools wie ownCloud respektive Nextcloud, die sich grosser Beliebtheit erfreuen. Und es gibt den Megatrend hin zur Nutzung von «Services», heute meist als Cloud-Dienste bezeichnet. BuddyPress ist aber ein gutes Beispiel dafür, was sich im Rahmen offener Strukturen mit flexibler Denkweise von einer relativ kleinen Anzahl von Entwicklern pro­grammieren und unterstützen lässt. BuddyPress macht Mut.

In dieses System gehört eine Vielzahl von Erweiterungen, die mit BuddyPress kombiniert werden können. Diese Plattform vereint über 50 solcher Module, die weitere Funktionen realisieren. Beispiele sind die «Online Docs», Plugins für individuelle Privatsphäre-Einstellungen oder auch die «Media Gallery». Geschrieben werden diese Skripts von engagierten Fachleuten rund um den Globus. Sie sind in Deutschland, Italien, Spanien, Griechenland oder der Ukraine, aber natürlich auch in Indien oder Australien. Die Modularität führt zu grosser Flexibilität und ermöglicht, den Funktionsumfang situativ anzupassen. Nicht alles, was sich hier vereint, ist übrigens gratis zu be­kommen; auch ein Aspekt, der rund um Open Source, Freie Inhalte und Nutzungs­rechte im Schulalltag durch Lehrerinnen und Lehrer behandelt werden kann.

NOTE: BuddyPress core developers share a passion for pizza, and since BuddyPress 1.5, all major releases are named in honour of all things pizza-related.

 
 
Was hat dies alles mit Nachhaltigkeit zu tun? Meiner Ansicht nach steht BuddyPress ganz in der Tradition «einer Entwicklungslinie, die ihren Anfang in der 68er-Bewegung findet. Friedens-, Umwelt-, Frauen- oder Jugend­zentrumsbewegungen suchten nach Frei­räumen, die sie häufig in alten Fabriken fan­den. Die Idee war die Entwicklung einer Kultur von unten…».¹ BuddyPress kann Raum schaffen für Kommunikation – für den Austausch von Meinungen und Infor­mationen. Auch Interessen und Wertehaltungen unterliegen einem steten Wandel, das Bedürfnis und die Wichtigkeit, sich auszutauschen unter Gleichgesinnten bleibt. Damals stand dafür «die alte Fabrik» zur Verfügung, heute sind es international vernetze Impact Hubs, Coworking Spaces und virtuelle Arbeitsräume.

Innerhalb von grösseren Firmen und Organisationen steht heute meist ein Intranet respektive im Umfeld ein Extranet zur Verfügung. Die Bildung von virtuellen Teams ist der neue Trend. Projektbezogene und/oder organisationsübergreifende Zusammenarbeit wird aus Gründen der Komplexität von Aufgabenstellungen oder unter Kostendruck immer wichtiger. Hier kann ein digitales Werkzeug wie BuddyPress unkompliziert und günstig Unterstützung leisten. In vielen Bildungs­institutionen und an den Hochschulen gehören hierarchische Learning Management Systeme (LMS) zur Grundausstattung. Im Zusammenhang mit lebens­langer Weiterbildung oder der Gründung von Spin-offs kann es hingegen Sinn machen, über Ausbildungszeiträume hinaus Kontakt zu pflegen ohne die Nachteile von E-Mails oder fehlenden Datenschutz in Kauf nehmen zu müssen. Startup-Unternehmungen können die «Clouds» der Telekom-Anbieter zur Kolla­bo­ration in Anspruch nehmen – oder einfach die eigene Website um entsprechende Dienste indi­vi­duell erweitern. BuddyPress macht es möglich.

Für Schulprojekte lohnt sich der Blick auf «Commons in a Box».

Offizielle Website von BuddyPress (engl.)

¹ Soziokultur [Wikipedia]
 
 

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Dienstag, 21. November 2017

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